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05.08.2016 | Aktuelle Pressemitteilungen
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Beim Strom zählt nicht nur der Preis

Care-Energy-Kunden werden von Stadtwerken Lemgo aufgefangen

Lemgo.- Mit TelDaFax und FlexStrom sind bereits zwei Billigstrom-Anbieter Pleite gegangen. Auch Procon ging in die Insolvenz. Und jetzt sorgt die Care-Energy AG für Unruhe am Strommarkt. Die Bundesnetzagentur betreibt wegen des Verdachts der fehlenden wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ein Aufsichtsverfahren gegen das Unternehmen. Und weil zudem Streitigkeiten mit Netzbetreibern eskaliert sind, konnte Care-Energy kürzlich einigen Kunden keinen Strom mehr liefern. So auch in Lemgo. Die Stadtwerke Lemgo fingen diese Kunden auf.

Billige Stromangebote, bei denen die Kunden ihre Stromrechnung für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlen und im Gegenzug einen hohen Rabatt kassieren – die gibt es heute kaum noch. TelDaFax und  FlexStrom hatten sich mit diesen Geschäftsmodellen verkalkuliert, mussten Insolvenz anmelden und konnten keinen Strom mehr liefern. Und die Kunden, die Vorkasse geleistet hatten, verloren bares Geld.

Doch mit Kampfpreisen und hohen Wechselprämien locken Billiganbieter noch immer Kunden an. „Care-Energy ist das neueste Beispiel, bei dem der billige Strom den Kunden am Ende teuer zu stehen kommt“, meint Arnd Oberscheven, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo. „Auch die Verbraucherzentralen sehen das Geschäftsgebaren dieses Unternehmens kritisch.“ Denn Care-Energy sorgt nicht nur mit zweifelhaften Abrechnungen, der verzögerten Auszahlungen von Guthaben und Mahnungen mit hohen Beträgen bei den Kunden für Unmut. Einige Kundinnen und Kunden erhielten gar keinen Strom mehr von Care-Energy, weil ihr Stromanbieter und einige Netzbetreiber im Streit gegenseitige Kündigungen aussprachen – dadurch floss kein Care-Energy-Strom zu den betroffenen Haushalten.

„In diesen Fällen müssen die Verbraucher nicht fürchten, dass sie plötzlich keinen Strom mehr haben“, erklärt Arnd Oberscheven. „Die Grundversorger – das sind oftmals die Stadtwerke – springen in solchen Fällen ein und versorgen die Kunden mit Energie.“ In Lemgo haben die Stadtwerke einige dieser Kunden aufgefangen und konnten sie für die Belieferung mit LemgoStrom gewinnen. Denn der umweltschonend in den eigenen Lemgoer Erzeugungsanlagen gewonnene Strom ist günstiger als die Grundversorgung. „Die Care-Energy-Kunden wollen langfristig von uns versorgt werden, sie haben genug von den Versprechen der Strom-Discounter“, berichtet Arnd Oberscheven. „Beim Strom zählt eben nicht nur der Preis, sondern auch die Seriosität und der Service des Anbieters.“

Generell gilt, dass die Geschäftsmodelle von extrem günstigen Stromanbietern in der Regel unprofitabel sind und damit einen Risikofaktor darstellen. Denn bei allen Stromanbietern in Deutschland setzt sich der Strompreis zu mehr als zwei Dritteln aus den Kosten für Steuern und Abgaben sowie den Gebühren der Stromnetzbetreiber zusammen.

„Bei dem letzten Drittel bleibt nur wenig Spielraum für die Preisgestaltung", meint Arnd Oberscheven. „Bei extremen Billigangeboten kalkulieren die Anbieter mindestens im ersten Jahr mit negativen Zahlen. Da ist dann immer die Frage, wie lange sie das durchhalten.“