Projekt Klärschlamm

Wie aus Lemgoer Klärschlämmen in Lemgo Fernwärme erzeugt werden kann

An dieser Stelle haben wir für Sie einige Informationen zum Thema Klärschlamm zusammengetragen, bei Fragen können Sie sich gerne an uns wenden.

Warum kümmern sich die Stadtwerke eigentlich um das Thema?

Mit ihrer umweltschonenden Fernwärmeerzeugung treiben die Stadtwerke Lemgo seit mehr als 50 Jahren den Klimaschutz voran. Die positive Klimabilanz dieser Wärmeerzeugung lässt sich jetzt durch eine neue Gesetzgebung noch einmal steigern: Lemgoer Klärschlamm kann zum lokalen erneuerbaren Wärmelieferanten werden – und den Erdgaseinsatz zur Fernwärmeproduktion weiter reduzieren.

Hintergrund dieser Überlegungen ist die neue Klärschlammverordnung: Der Gesetzgeber will zukünftig wertvollen Phosphor und Energie aus Klärschlamm zurückgewinnen. Alternativ kann auch die Asche aus verbranntem Klärschlammen als Dünger verwertet werden. Mit diesen gesetzlichen Anforderungen ist klar, dass die größten Mengen Klärschlamm in Deutschland zukünftig in separaten Anlagen verbrannt, also thermisch verwertet werden.

In Lemgo bieten sich aufgrund des vorhandenen Fernwärmenetzes am Klärwerk ideale Voraussetzungen, um dort den Klärschlamm thermisch zu verwerten und so ökologisch nutzen zu können. Die Verwertung in Lemgo bringt einen weiteren Vorteil mit sich: Weite Transporte der Lemgoer Klärschlämme zu einer zentralen Verbrennungsanlage werden vermieden – das entlastet die Umwelt zusätzlich.

Die Entscheidung, ob eine solche Anlage am Lemgoer Klärwerk entsteht, wird in den Aufsichtsgremien der Stadtwerke und letztendlich im Rat der Alten Hansestadt Lemgo getroffen.

Ist die thermische Verwertung von Klärschlamm gefährlich?

Bislang wurde der Klärschlamm lediglich getrocknet und auf die Felder aufgebracht. Aufgrund des in Deutschland beschlossenen Ausstiegs aus dieser landwirtschaftlichen Verwertung wird der Klärschlamm in der für Lemgo geplanten Anlage so aufbereitet wird, dass er als wertvoller Rohstoff für die Düngemittelproduktion dienen kann. So lässt sich ein lokaler Wertstoffkreislauf schließen: Anstelle der mit Uran und Cadmium hochbelasteten Mineraldünger aus dem Ausland wird ein bekannter und gut kontrollierbarer Düngemittelrohstoff aus Deutschland zur Düngemittelproduktion genutzt.

Welche Maßnahmen rund um die thermische Verwertung getroffen werden müssen, legt das Umweltbundesamt auf der Basis der EU-Richtlinie 2000/76/EG in der hierzulande gültigen 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) fest. Diese Verordnung sieht unter anderem vor, dass die Klärschlämme bei einer Mindest-Verbrennungstemperatur von 850 °C verwertet werden.

Im Zuge eines Genehmigungsverfahrens einer solchen Anlage nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz wird auch eine Vorprüfung auf Umweltverträglichkeit durchgeführt. Es wird also umfassend geprüft, ob die Anlage Natur, Umwelt, Menschen, Fauna, Flora etc. gebührend schützt und eine Technik eingesetzt wird, die dem aktuellsten Stand entspricht.

Sofern die Gremien der Stadtwerke Lemgo einem Bau der Anlage beschließen, werden die Stadtwerke freiwillig ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen. Erforderliche Prüfungen werden durch unabhängige Gutachter und Sachverständige durchgeführt, die eine offizielle Zulassung haben und mit dem Thema betraut sind.

Was ist mit der Abgasreinigung und dem Geruch?

Die Reinigungsleistung solcher Anlagen erfolgt nach höchsten Standards: Die Grenzwerte der 17. BImSchV werden eingehalten oder unterschritten. Die Grenzwerte für Schwermetalle, Dioxine/Furane sind so niedrig angesetzt, dass ein Stau auf der Autobahn A2 mehr Schadstoffe in die Umwelt freisetzt, als die in Lemgo geplante Anlage über ein Jahr emittieren würde.

Bei kleineren Anlagen – wie der für Lemgo geplanten – werden ebenfalls robuste Reinigungstechniken eingesetzt, die sich im großen Maßstab beispielsweise bei der Müllverbrennungsanlage Hamm oder dem Müllheizkraftwerk Offenbach finden. Eine Einhaltung bzw. deutliche Unterschreitung der Grenzwerte ist jederzeit sichergestellt.

Die verwendete Technologie entspricht dem Stand der Technik und gehört zu den besten, die aktuell zur Reinigung von Abgasen zur Verfügung stehen. Die einzuhaltenden Grenzwerte sind so niedrig, dass es im Umfeld der Anlage zu keiner höheren Belastung durch organische oder krebserregende Stoffe wie beispielsweise Dioxine kommen würde, als es heute der Fall ist. Auch hier würde durch die Reduktion des LKW-Verkehrs zur Entsorgung der Klärschlämme in andere Städte eine Senkung der Belastung eintreten.

Bei den Geruchswerten sind die einzuhaltenden Grenzwerte ebenfalls so ausgelegt, dass die Geruchsemissionen für die Lagerung und Behandlung von Klärschlämmen so niedrig ausfallen, dass jeder Stau auf der Bundesstraße deutlich höhere Geruchsemissionen verursacht: Die Lemgoer Anlage wird hinsichtlich des Geruchs nicht wahrnehmbar sein.

Wird mehr Staub freigesetzt?

Unabhängig davon, welchen Weg der Klärschlamm geht, wird Staub aufgewirbelt und in der Umgebung verteilt. Selbst, wenn er nass weggefahren würde, würde es Staubemissionen geben. In der geplanten Anlage wird diese so niedrig gehalten, wie es technisch möglich ist. So wird bei einer lokalen Behandlung des Klärschlamms trotz der lokalen Emissionen aus einem Schornstein die Staubkonzentration in Summe eher sinken als steigen – dafür sorgt die Reduktion des Transportverkehrs.

Durch Senkung des Verkehrsaufkommens wird die toxische Belastung insgesamt sinken. Die toxische Belastung der Feinstäube aus dem Fernverkehr wäre mindestens genauso hoch wie die restliche Belastung durch die lokalen Emissionen.

Steigen die Fernwärmepreise weil die Stadtwerke den Klärschlamm verwerten?

Nein! Die Aufsichtsgremien der Stadtwerke werden dem Bau der Anlage nur zustimmen, wenn es dadurch nicht zu einer Belastung der Lemgoer Bürgerinnen und Bürger bzw. der Kundinnen und Kunden der Stadtwerke kommt. Natürlich muss sich die dezentrale Anlage in Lemgo gegenüber einer OWL-weiten Lösung wirtschaftlich behaupten – und kleinere Anlagen sind im Regelfall teurer. Wenn jedoch Fahrtkosten für den Klärschlamm entfallen und Investitionen gefördert werden, lässt sich auch mit einer kleinen Anlage ein wirtschaftlicher Betrieb darstellen.

Vorteilhaft ist zudem, dass die Stadtwerke ihre Arbeitsplätze vor Ort nachhaltig sichern können, da das Betriebspersonal für die Eigenerzeugungsanlagen der Stadtwerke neue, zusätzliche Aufgaben erhalten.

Was ist an der Lemgoer Anlage so besonders, dass mit Fördermitteln gerechnet werden kann?

Die innovative Lemgoer Lösung entspricht technisch den anderen in Deutschland derzeit geplanten Anlagen. Sie besitzt jedoch den Vorteil, dass hier eine energetisch optimale Lösung im Zusammenspiel mit dem Fernwärmenetz erfolgen kann – was eine deutlich Einsparung an Primärenergie mit sich bringt.

In Lemgo wird eine Synergie genutzt, die andere Standorten so nicht aufweisen können: Im Sommer kann ungenutzte Fernwärme für die Trocknung der Klärschlämme eingesetzt werden. Im Winter kann überschüssige Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden – dadurch würde Primärenergie eingespart und der Anteil der regenerativ erzeugten Fernwärme erhöht. Gleichzeitig wird es zu einer drastischen Reduzierung von Verkehr kommen, was sich positiv auf die Luftqualität und Lebensqualität auswirkt.

Die Anlage läuft also in den Wintermonaten im Dauerbetrieb und kann in den Sommermonaten gereinigt und gewartet werden. Und da es sich um eine Monoverbrennungsanlage handelt, ist selbstverständlich auch die Phosphorrückgewinnung oder sogar die Abgabe der phosphathaltigen Asche an Düngemittelhersteller möglich.

Wieso wird in Lemgo keine Anlage zur Klärschlammvererdung gebaut?

In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Verfahren für die Klärschlammverwertung verglichen. Das Ergebnis: Durch die Vererdung wird in Summe mehr Methan und CO2 in die Umgebung ausgestoßen als bei einer thermischen Verwertung. Zudem muss der vererdete Schlamm anschließend genauso getrocknet und verbrannt oder deponiert werden wie der nicht vererdete Klärschlamm.

Stand: August 2019