Eingangsbereich des Kundenzentrums der Stadtwerke Lemgo

Geförderte Maßnahmen

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) fördert und initiiert das Bundesumweltministerium Klimaschutzprojekte in ganz Deutschland – und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele: Bis 2050 soll Deutschland weitgehend klimaneutral werden. Auch in Lemgo werden Maßnahmen gefördert!

Fördermittel Nationale Klimaschutzinitiative: Verbundprojekt NKI: "Klimaneutraler historischer Stadtkern" Förderkennzeichen: 03KSM0018B

Im Rahmen des Klimaschutzplans 2050 besteht ein wichtiges Ziel der Bundesregierung darin, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Die Stadt Lemgo verfolgt deshalb als ein strategisches Stadtziel auch die nachhaltige und klimaschonende Energieversorgung.

Dazu wurde unter anderem im Jahr 2016 das Konzept „Klimaneutraler historischer Stadtkern Lemgo“ erstellt, das insbesondere die Dekarbonisierungs-Möglichkeiten der Wärmeversorgung im historischen Stadtkern untersucht – sowohl bei den Haushalten, als auch beim Gewerbe.

Der historische Stadtbereich stellt durch seine bauliche Dichte und seine Nutzungsvielfalt eine städtebauliche Form der ressourcenschonenden Flächennutzung dar, die sich schon seit Jahrhunderten bewährt hat. Aber durch den großen Baudenkmalbesatz birgt er auch hinsichtlich einer energetischen Sanierung des Gebäudebestandes und der Nutzung regenerativer Energien besondere Herausforderungen. Das Ergebnis des Konzeptes zeigt jedoch auf, dass trotz erschwerter Rahmenbedingungen auch die Energieversorgung des historischen Stadtkerns klimaneutral werden kann.

Gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Förderkennzeichen: 03KSM0018B
Laufzeit des Vorhabens: 01.06.2017 bis 31.05.2020

Die Maßnahmen des Verbundprojektes

Durch ein Verbundprojekt von Stadt und Stadtwerken, das als Modellprojekt vom BMUB nun über drei Jahre gefördert wird, werden wesentliche Maßnahmenvorschläge umgesetzt: Während die Stadt Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz durchführt, werden die Stadtwerke die Wärmeversorgung für den Altstadtkern weitgehend auf regenerative Energien umstellen.

Voraussetzung ist hierfür die in weiten Teilen des historischen Stadtkerns vorhandene Fernwärme: Ihr Anteil am Wärmemarkt liegt bereits über 50 Prozent. Sie wird zurzeit klimaschonend in Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen erzeugt, die mit Erdgas betrieben werden. Damit ist die Fernwärme jedoch noch nicht klimaneutral.

Wärme aus geklärtem Abwasser gewinnen

Um langfristig eine klimaneutrale Wärmeversorgung zu erreichen, ist die Gewinnung von Wärme aus dem Abwasser der städtischen Zentralkläranlage im Rahmen des Modellprojekts vorgesehen. Diese Wärme wird in das Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist. Die Wärmeauskopplung erfolgt dabei erst hinter den Klärstufen im Auslauf der Kläranlage. So lässt sich eine möglichst hohe Wärmemenge auskoppeln – und die Verschmutzung der Wärmetauscher wird vermieden. Auch der Reinigungsprozess des Abwassers wird durch die Wärmeentnahme nicht mehr beeinflusst.

So gestaltet sich der Prozess

Das geklärte Abwasser weist im Jahresdurchschnitt eine mittlere Temperatur von ca. 13° C auf. Ein Teilstrom des Abwassers wird über eine Rohrleitung zu dem bestehenden BHKW der Stadtwerke geführt, das sich direkt neben der Kläranlage befindet. Dort wird in einem 2-stufigen Wärmepumpenprozess der Rücklauf des Fernwärmenetzes auf 90° C erwärmt.

Parallel dazu werden im BHKW bislang nicht nutzbare Wärmequellen wie die Ladeluft Stufe I und die Kondensationswärme im Abgas durch eine weitere Wärmepumpe genutzt. Auch sie tragen zu Erwärmung des Fernwärmerücklaufs auf 90° C bei.

Durch Parallelschaltung mit dem BHKW-Wärmeprozess wird eine gemeinsame Vorlauftemperatur von 95 bis 100 °C erreicht. Damit wird unter Zuhilfenahme des BHKW-Wärmeprozesses sichergestellt, dass eine für den Betrieb des Fernwärmenetzes ausreichende Vorlauftemperatur eingehalten wird.

BHKW Wärmeprozess

Der ideale Wärmepumpen-Standort: am BHKW der Stadtwerke

Für die Wärmepumpe wurde der Standort am BHKW gewählt, weil dort ein entsprechend großes Betriebsgrundstück für das neu zu errichtende Wärmepumpengebäude zur Verfügung steht. Zudem befindet sich hier der notwendige Anschluss an das Fernwärmenetz. Auch die Auskopplung der bislang nicht genutzten BHKW-Wärme kann nur hier stattfinden – ebenso wie der direkte stromseitige Anschluss der Wärmepumpen an den Generator des BHKW.

Dadurch, dass eigenerzeugter Strom ohne Zulagen wie z.B. EEG, Stromsteuer, Netznutzungskosten zur Verfügung steht, ist der Betrieb der Wärmepumpe überhaupt erst wirtschaftlich möglich. Dies bedeutet, dass die Wärmepumpe immer nur dann in Betrieb ist, wenn auch das BHKW betrieben wird (ca. 7.500h/a).

Die Anlage wird so gebaut, dass die Wärmepumpen zu einem späteren Zeitpunkt auch ohne BHKW-Kopplung mit Strom aus Erneuerbaren Energien betrieben werden können. Dies ist dann der Fall, wenn sektorgekoppelter Überschussstrom von Erneuerbare Energien-Erzeugern zur Verfügung steht.

Für diese technische Konzeption wurde bislang die Entwurfsplanung erarbeitet, derzeitig findet die Detailplanung statt.

Karte Standort BHKW

Technische Daten der Wärmepumpe

Die folgenden technischen Daten der Wärmepumpe beziehen sich auf die Kältemittel R717 für die Abwasser-Wärmepume und R1233zd für die BHKW-Wärmepumpe.

Heizleistung der Gesamtanlage
(WP-Abwasser+ WP-BHKW+BHKW)
~5 MW

Heizleistung Abwasser Wärmepumpe~2,4 MW
Kälteleistung Abwasser Wärmepumpe~1,5 MW
Elektrische Leistungsaufnahme Abwasser Wärmepumpe~890 kW
COP Abwasser Wärmepumpe (Jahresmittel)~2,7
Temperaturhub Abwasserwärmepumpe77K (13°C/90°C)
Heizleistung BHKW Wärmepumpe~490 kW
Kälteleistung BHKW Wärmepumpe~250 kW
COP BHKW-Wärmepumpe~3,6
Temperaturhub BHKW Wärmepumpe
Elektrishe Leistungsaufnahme BHKW Wärmepumpe
44K (46°C/90°C)
~130 kW
Thermische Leistung BHKW~2,2 MW
Elektrische Leistung BHKW~2 MW

Beteiligte Partner

Fördermittel Nationale Klimaschutzinitiative: „Errichtung von Radabstellanlagen im Bruchweg und Pagenhelle“ Förderkennzeichen BMU: FKZ 03K03115

Im November 2016 wurden bei den Stadtwerken zwei neue Fahrradabstellanlagen erstellt. Am Bruchweg entstand auf einer neu befestigten Fläche eine überdachte Anlage für 48 Fahrräder. Die Stellplätze sind nunmehr wettergeschützt und mit vom ADFC empfohlenen Fahrradständern ausgestattet (ADFC-Prüfnummer: Q 1101-04-2011). Die Ständer bieten nicht nur einen sicheren Halt für das Fahrrad sondern auch eine bequeme Anschlussmöglichkeit des Fahrradrahmens mit kurzem Schloss.

Am Freizeitbad Eau-Le wurden veraltete Vorderrad-Einstellbügel (sog. Felgenkiller) durch 61 hochwertige Fahrradständer ersetzt. Es handelt sich dabei um den gleichen Ständertyp wie am Bruchweg.

Grundlage für diese Maßnahmen ist das Klimaschutz-Teilkonzept „Klimafreundliche Mobilität Stadt Lemgo“, das die Stadtwerke 2015 haben erstellen lassen. Danach betragen die durch den Verkehr in Lemgo erzeugten Treibhausgasemissionen derzeit 49.400 t pro Jahr. Um diese Emissionen zu reduzieren, ist vor allem eine Verlagerung von Autoverkehr auf klimafreundlichere Verkehrsmittel erforderlich. So könnten nicht notwendigerweise mit dem Auto zurückzulegende Wege auch mit dem Bus, dem Fahrrad oder den eigenen Füßen durchgeführt werden. Das Klimaschutz-Teilkonzept zeigt nun, dass das Fahrrad hierzu den wichtigsten Beitrag liefern kann. So ist in Lemgo eine Steigerung des Radverkehrs um über 50 Prozent möglich. Dies ist aber nur erreichbar, wenn die Infrastruktur für das Fahrrad weiter optimiert wird. Hierzu zählen neben Ergänzungen des Radwegenetzes, Radschnellwegen, Ampelumstellungen und sog. Radlertreffpunkten vor allem auch die Schaffung zusätzlicher hochwertiger Fahrradabstellmöglichkeiten (s.a. Radverkehrskonzept Lemgo, 2016).

Zur Feststellung des Bedarfs an Fahrradabstellmöglichkeiten wurde 2014 von der Stadt Lemgo ein Konzept für Fahrradabstellanlagen im erweiterten Innenstadtbereich erarbeitet. Danach bestehen allein in diesem Bereich ein Bedarf von ca. 200 zusätzlichen Abstellmöglichkeiten und die Notwendigkeit einer qualitativen Aufwertung (z.B. Wetterschutz, Diebstahlschutz mittels Rahmensicherung) von 200-400 Abstellmöglichkeiten.

Mit den beiden von den Stadtwerken errichteten hochwertigen Abstellanlagen wird somit ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Infrastruktur für den Fahrradverkehr und damit auch zum Klimaschutz in Lemgo geleistet. Die Finanzierung der Anlagen wird maßgeblich unterstützt durch der Nationale Klimaschutzinitiative der Bundesregierung.

Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 zahlreiche Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Diese Vielfalt ist Garant für gute Ideen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

Die im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gewährte Zuwendung trägt den Titel „Errichtung von Radabstellanlagen im Bruchweg und Pagenhelle“, hat eine Laufzeit vom 01.07.2016 bis 30.06.2018 und trägt das Förderkennzeichen 03K03115.

Weitere Informationen zur Nationalen Klimaschutzinitiative sind über den Projektträger Jülich unter www.ptj.de/klimaschutzinitiative-kommunen erhältlich.