Seit Jahren beschäftigen sich Fachleute und Kommunen mit der Kommunalen Wärmeplanung. Gestern trafen sich rund 170 von ihnen zu einer Regionaltagung „Wie gelingt die Wärmewende in OWL?“ in der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) in Lemgo. Wie sieht die Wärmeversorgung in OWL in 20 Jahren aus? Welche Lösungen finden Kommunen und Stadtwerke, um den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren? Das Ergebnis: Auch und besonders im ländlichen Raum ist die Kommunale Wärmeplanung ein wichtiges Werkzeug für die zukünftige Gestaltung einer sicheren und bezahlbaren Wärmeversorgung.
„Wir stehen vor der Herausforderung, die Wärmeversorgung bis 2045 weitgehend ohne fossile Energieträger zu gestalten“, sagte in seiner Begrüßung TH-OWL-Präsident Professor Dr. Jürgen Krahl. „Fragen der Energiesicherheit und Bezahlbarkeit unterstreichen unsere Aufgabe, unabhängiger von Energieimporten zu werden und alternative Lösungen zu entwickeln und zu implementieren.“
Ein großer Teil der CO₂-Emissionen privater Haushalte entsteht durch das Heizen. Für Jürgen Wrona vom OWL-Regionalverband im Landesverband Erneuerbare Energien NRW ist der Wärmesektor daher ein „schlafender Riese und die Königsdisziplin der Energiewende“. Mit Blick nach Skandinavien ist Wrona überzeugt, dass das Ziel einer weitgehend treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis 2045 erreichbar ist. „Die technischen Lösungen sind alle vorhanden“, unterstrich Professor Dr. Johannes Üpping von der TH OWL. „Wir wissen, wie wir das machen müssen. Jetzt geht es darum, mit der Kommunalen Wärmeplanung als Kompass zur Investitionsstrategie zu kommen.“
Bürgermeister und Gastgeber Markus Baier weiß um die Herausforderungen, die vor der Alten Hansestadt Lemgo und anderen Kommunen liegen: „Unser langfristiges Ziel ist klar: Wir wollen den Einsatz fossiler Energieträger in der Wärmeversorgung unserer Stadt Schritt für Schritt reduzieren. Auf diesem Weg sind wir aber nicht erst seit der Verabschiedung des Wärmeplanungsgesetzes unterwegs. Wir arbeiten seit Jahren daran, vorhandene Ressourcen und Potenziale vor Ort möglichst effizient zu nutzen und neue Lösungen für die Wärmeversorgung zu entwickeln.“
Zentraler Teil der Lemgoer Planungen für die zukünftige Wärmeversorgung sind die Stadtwerke Lemgo. Für Geschäftsführer Matthias Sasse ist es dabei wichtig, dass die Stadtwerke vielseitig aufgestellt sind: „Wir denken in alle Richtungen. Nur so können wir unsere eigenen ehrgeizigen Pläne erreichen, den Anteil erneuerbarer Energien in unserer Wärmeerzeugung weiter zu erhöhen. Bereits jetzt haben wir unter anderem Wärmepumpen im Einsatz, die Wärme aus der Bega und aus geklärtem Wasser der Kläranlage nutzbar machen, sowie unsere Solarthermieanlage. Zudem bauen wir zurzeit einen Großwärmespeicher, in dem künftig unter anderem Wärme aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen zwischengespeichert werden kann. Auch die Energiegewinnung aus Biomasse soll künftig hinzukommen.“
Dr. Tanja Busse steuerte in kurzweiligen Interviewformaten durch den Lösungsgipfel. „Die hohe gesellschaftliche Bedeutung des Themas Wärme trifft auf klamme Kassen in den Kommunen und eine Fülle gleichzeitiger Aufgaben. Welche Unterstützung können die Bürgermeister abrufen und wo?“, fragte die Moderatorin Christian Mildenberger, den Geschäftsführer der Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate. „Mit dem Wärmewende-Coaching bietet NRW.Energy4Climate Unterstützung für alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Dies umfasst neben der Entwicklung wirksamer Strategien für die Wärmewende vor Ort auch Initialberatungen zu Betreibermodellen und Finanzierungsoptionen“, erläuterte Christian Mildenberger. „Und wir wollen auch lernen aus OWL.“
Organisiert hatte den Lösungsgipfel „Wärmewende in OWL“ eine Gruppe aus der Region selbst, zusammen mit Petra Schepsmeier, Mitarbeiterin bei NRW.Energy4Climate und verantwortliche Projektleiterin der Klimakampagne OWL. „Gemeinsam und bedarfsgerecht Angebote für alle machen, das ist typisch Klimakampagne OWL“, sagte sie. Diese Region sei seit Jahren Vorreiter in Sachen Kampagnenarbeit und Vernetzung. „Auch dieser Lösungsgipfel mit den vielen Referenten aus OWL zeigt die Dynamik dieser Region und den unbedingten Willen der Akteure, gemeinsam den kommunalen Klimaschutz voranzutreiben.“
Hinweis: Die Pressemitteilung wurde im Hinblick auf die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) überprüft und an einigen Stellen angepasst. Insbesondere wurden allgemeine bzw. weitreichende Umwelt- und Klimaaussagen präzisiert, um die Aussagen konkreter und nachvollziehbarer zu formulieren.